Sachkultur
Der Haller Heller - "Euro des Mittelalters"
Die Gründung der
königlichen Münzstätte in
Schwäbisch Hall wird dem
Stauferkaiser Friedrich I.
Barbarossa (1122-1190)
zugeschrieben. Seinen
Geldbedarf deckte der
Kaiser durch die Prägung eigenen Geldes.
Dieser "Heller" (= Haller Pfennig), eine kleine
Münze aus dünnem Silberblech, erreichte rasch
eine weite Verbreitung. Grund hierfür war die
schlechtere Qualität, denn aus dem
Einschmelzen und Umprägen älterer Münzen
ließen sich gute Profite machen.
Aquamanile (hellgelbe Irdenware)
Ein Aquamanile diente, wie der Name vermuten
lässt, zum Händewaschen. Er wurde mit Wasser
gefüllt, das einem dann über die Hände
gegossen wurde. Aquamaniles kamen zunächst
im kirchlich-liturgischen Umfeld auf, setzten sich
aber bald auch im profanen Gebrauch durch.
Diese Form dieser Keramikaquamanile basiert
auf einer bronzenen Aquamanile in Gestalt eines
Greifen (hergest. von Roger von Helmars-
hausen, Niedersachsen um 1100) die Teil der
Realiensammlung im Kunsthistorisches Museum
Wien ist.
Grape aus Keramik (hellgelbe Irdenware)
Grapen sind die Kochtöpfe des Hochmittelalters.
Sie wurden in oder an die Glut gestellt um den
darin befindlichen Inhalt zu erwärmen. Plötzliche
Temperaturunterschiede (z.B. zu schnelles
Erwärmen oder Abkühlen) bringen eine Grape
leicht zum Zerspringen.
Neben Grapen aus Keramik wurden auch solche
aus Metall (Messing- und Bonze-Gemische)
verwendet. Diese Buntmetallgrapen waren
teurer, aber dafür auch unempfindlicher
gegenüber Temperaturen als Keramik-Grapen.
Aus: Brühler Keramik des Mittelalters - Band 7
Rheinland: Siegburg oder Vorgebirge, 12.-13. Jh.
Talglicht
Anders als die teuren Wachskerzen
war das Talglicht neben der
Talgkerze und dem Kienspan die
günstige Variante, die ausnutzbare
Zeit des Tages über die Dämmerung
hinaus zu verlängern.
Mit Rinder- oder Schweinetalg
gefüllt, und mit einem in
Fingerschlaufentechnik gewobenen
Docht aus Leinen aus Flachs oder Hanf
versehen, brannte das Talglicht vergleichsweise
hell.
Abb.: Maciejowski-Bible, Frankreich, Mitte 13. Jh
Essmesser
Hier ist ein verziertes Essmesser mit Holzgriff zu
sehen. Die Griffe bestanden nicht aus zwei
Schalen, sondern lediglich aus einem Stück, das
auf einen Dorn - die Angel - aufgeschoben
wurde. Der Griffdurchschnitt war dabei
annähernd rund, teilweise auch oval oder leicht
tropfenförmig.
Ausführung: Andreas Vogel
Aus: Knives and scabbards
Medieval finds from excavations in London:1
J. Cowgill, M. de Neergaard and N. Griffiths;
ISBN 0 85115 805 6